Autobahnarchitektur in Beton
An der Rudolstädter Straße in Berlin-Wilmersdorf führen die Zubringerbrücken zur A100 über einen großen, tristen Parkplatz. Kaum jemand bleibt hier stehen. Man parkt, steigt aus und geht. Über den Köpfen schwingen die Brücken als massive Halbröhren aus Beton durch den Himmel, und darunter stehen die Lichtmasten in langen Reihen.
Mich haben genau diese Masten nicht losgelassen. Schmal und hoch ragen sie wie Stängel zwischen den Betonbögen in den Himmel, fast wie Pflanzen, die sich ihren Weg zum Licht suchen. Neben der schweren Masse der Brücken wirken sie zerbrechlich, und gerade dieser Gegensatz macht den Ort für mich interessant.
Die ersten Bilder entstanden Mitte Februar 2020. Zwei Wochen später bin ich noch einmal hingegangen, weil mich die Formen der Brücken nicht losließen: die Kurven, die Wiederholung der Masten, die Linien, die sich je nach Standpunkt überschneiden oder auseinanderlaufen.
In Schwarzweiß verschwindet alles Nebensächliche: die Farben der Autos, die Beschilderung, der Alltag des Parkplatzes. Übrig bleiben Form, Linie und Licht. Die Serie zeigt einen Ort, an dem man normalerweise vorbeigeht, als Architektur, die es wert ist, genauer hinzusehen.